Dienstag, Juni 29, 2004

Stop Guido Now!

Take Action against the conservative abuse of the Democratic Convention in Boston!


According to the current edition of Der Spiegel (p.32), Guido Westerwelle the chairman of the German Free Democrats - the FDP - plans to visit the Democratic Convention in Boston. According


Mr Westerwelle is a strong advocate of thatcherite reforms in Germany. His party wants to dismantle the German social security system and to liberalize the labor market, a move that would probably result in an increase of poverty and unemployment. Especially, Mr Westerwelle is a strong anti-union activist. He and his party want to destroy the power of the German unions completly.


Moreover, his party is currently forming an alliance with the conservative christian democrats in order to drive the social democratic and green government out of office. The chairwoman of the Christian Democrats Angela Merkel was a strong supporter of the Iraq war and has repeatedly criticized Chancellor Schroeder for not supporting Bush enough.


Mr Westerwelle shoud not be allowed to hyjack the Boston Convention for his own political purposes. More important, he should not get a photo-op with important democrats, maybe even with John Kerry.


Take Action now!


Write Guido Westerwelle: Guido.Westerwelle@bundestag.de


Tell him politly (no the Cheney like "go f. yourself"), that you, as a democrat do not want him to misuse the Democratic Convention and that he should stay away.


Or write John Kerry:


Please ask him not to meet Mr Westerwelle and urge the campaign to keep Guido out of the convention.


Thank you!

Montag, Juni 28, 2004

Portugal wird Europas Meister

Beim Fußball erst im Halbfinale, in der Union schon jetzt an der Spitze. José Manuel Durao (mit einem Kringel über dem A) Barroso soll Romano Prodi nachfolgen und wird die Tagesschausprecher künftig vor weitere gerollte "Rs" stellen. Bisher ist Barroso völlig unbermerkt Portugals Premierminister und ganz offensichtlich höchstens die erste Wahl von Angela Merkel; das dafür seit wahrscheinlich sieben Monaten. Das sie jetzt in den anderen Staaten für den 48-jährigen werben will, könnte dort allerdings auch als Drohung verstanden werden. Ex-Spitzenkommisionspräsidentenkandidat Chris Patten kritisierte unterdes den "Kuhhandel" und das unwürdige und "nicht durchschaubare" Durcheinander bei der Kandidatenkür. Was wir aus diesen Parallelitäten lernen sollten ist, dass weder Daum noch Hitzfeld Teamchef werden können. Aus gut unterrichteten Kreisen wurde heute bekannt, dass Angela Merkel (CDU) seit fünf Monaten mit dem Aufstiegstrainer vom FSV Mainz 05 Verhandlungen führt und dieser bereits zugesagt haben soll. Seine Frau habe sich auch bereits mit den Pflichten einer FirstCoachLady vertraut gemacht. Dieser stille Erfolgstrainer erfüllt wirklich alle Voraussetzungen: ich kenne nicht mal seinen Namen.

Weltdrogentag 2004: Wird Daum Bundestrainer?

Heute ist Weltdrogentag. Der Spiegel kommt daher mit einem Titel über Cannabis raus. Innen im Heft findet sich ein "bewegender" Bericht eines Abiturienten über seine Cannabiserfahrungen. Schlimm, der Drogenmißbrauch erreicht die Mittelschicht! Ist man jetzt nicht einmal mehr am humanistischen Gymnasium sicher? Wenn der Spiegel wirklich glaubt in der "Generation Jamba" sei Cannabis das signifikanteste Problem, dann sollte man die Redakteure mal vor einer Endlosschleife DSDS festschnallen. Wahrscheinlich ist in Hamburg der Kokspreis gestiegen. Jetzt helfen wahrscheinlich nur noch "durchgreifende Reformen", ein "Auslandsstudium" und "junge und flexible" "neue Eliten", die den "Karren aus dem Dreck" holen.

Kleiner Tip: Wenn man dreimal im Jahr bewußt keinen Spiegel kauft, hat man genau die Summe gespart, die man für Windenergieförderung ausgibt!

Aprospos Kokain. Im DFB ist ein Machtkampf entbrannt. MV will Daum, der Rest will genau das nicht, Daum will auch nicht, Hitzfeld schon, aber nicht wenn MV Daum lieber hätte, weil "Rückhalt". 2006 ist ja noch weit. Das haben sich die Griechen mit der Olympiade auch gedacht. Da hat's ja anscheinend geklappt. Aber ob das Dach hält weiß man noch nicht. Immerhin, wenn MV zurücktreten muß gibt es Hoffnung. Schon in Stuttgart kamen dann die guten Jahre.

Samstag, Juni 26, 2004

Gyros vs. Crêpes: 1:0


Athen feiert und in der nächsten Ausgabe des ARD Magazins Royalty wird Rolf Seelmann-Eggebert wohl nach Athen reisen - jetzt wo alles von "König Otto" spricht. Vielleicht kann der NDR den lieben RSE dann auch einfach dort vergessen. Dann hätten wir König und Hofnarr erfolgreich exportiert und müßten uns um beide nicht mehr kümmern.


Bis dahin lohnt es sich, sich mit Griechenland zu freuen, das seinen größten sportlichen Erfolg seit 2500 Jahren erzielt hat. Eine robuste defensive Ausrichtung schaltete Frankreich meist schon im Mittelfeld aus. Am Ende ging die nächste "goldene Generation" geschlagen vom Platz. Adieu, es war nett.


Man wird sich allerdings in Zukunft Gedanken über Real Madrid machen müssen. Beckham und Zidane kamen in schrecklicher Form zur EM und rissen ihre Teams in den Abgrund. Aber egal, jetzt ersteinmal einen Ouzo.


Freitag, Juni 25, 2004

Portugal 8 - 7 England

Euro-Einfuehrung_in_England

Der Moment, in dem der Junge mit dem Reichsadler im Genick auf einem Maulwurfhügel ausrutschte.

Was auch immer ihm Soares Ricardo geflüstert haben mag, nun ist Becks an allem schuld. Es würde mich nicht wundern, wenn die Sun ihn morgen auch noch zum Hauptverantwortlichen für die Mitgliedschaft Englands in der EU macht. Zum Glück ist Urs Meier Schweizer.

Fest steht jedenfalls, dass sich das Niveau dieser EM noch einmal gehoben hat (kein Wunder nach dem Ausscheiden der Achsenmächte). Ich habe nun schon zwei mal behauptet, wir hätten das beste Spiel dieser EM bereits gesehen (England-Frankreich, Tschechien-Holland), aber jedes mal lag ich falsch. Also nochmal: Das war das beste Spiel dieses Wettbewerbs! Besser gehts nicht!

Zeigt mir, dass ich wieder Unrecht habe! Bitte!

Donnerstag, Juni 24, 2004

Gott vs. Sachsen-Anhalt: 1:0!


Micheln bekam die Rote Karte in der Nachspielzeit.(Quelle: Spiegel) 70% der Häuser am Boden zerstört, Die Stadt sieht aus wie das Sony Center nach dem Abpfiff des Deutschland Spiels. Die gute Nachricht: Das Wetter wird spannender. Und im August kommt die Bundesliga zurück.

Petition für ein Informationsfreiheitsgesetz!

Initiiert von Transperency International, dem Netzwerk Recherche und anderen herausragenden Personen und Verbänden hat sich eine Initiative zur Berkämpfung des rigiden deutschen "Amtsgeheimnis" gegründet: Pro-Information:

Deutschland gehört zu den letzten Industrienationen, in denen das Prinzip des "Amtsgeheimnisses" gilt: Bei uns werden Informationen, die bei öffentlichen Stellen vorliegen, unabhängig von ihrer tatsächlichen Schutzbedürftigkeit grundsätzlich als geheim behandelt. Nur in Ausnahmefällen haben die Bürger ein Akteneinsichtsrecht. Diese Geheimhaltungspraxis ist ein Relikt des Obrigkeitsstaates, das nicht mehr in das Informationszeitalter und in eine moderne Demokratie passt. Außerdem begünstigt Geheimhaltung Korruption, während Transparenz jeder Form von Machtmissbrauch vorbeugt.[...]

Mit einem solchen Gesetz, das es bereits in über 50 Staaten gibt, erhält jeder Bürger das Recht, Akten einzusehen oder Kopien von Unterlagen öffentlicher Stellen zu bekommen, ohne dass eine persönliche Betroffenheit oder eine Antragsbegründung erforderlich ist.

Einen Tag nach dem Helmut Kohl mit seinem Kampf gegen das Stasi-Unterlagen Gesetz so erfolgreich gewesen ist, möchte ich alle aufrufen, diese Kampagne zu unterstützen.

In den Vereinigten Staaten gibt es den "Freedom of Information Act". Dieses Gesetz ist ein unverzichtbarer Hebel für Journalisten und Bürger geworden, die Verwaltungen zur Offenheit zu zwingen. Dies würde der Bundesrepublik auch gut anstehen. Rot-Grün hat einen Gesetzesentwurf, läßt ihn aber zur Zeit verstauben. Es braucht also etwas Druck.

Wo ist die FDP, wenn man sie braucht?

Völlers Rücktritt kann nur ein erster Schritt gewesen sein. Die tieferen Ursachen der gestrigen verdienten Niederlage liegen tiefer - tiefer noch als das Niveau von Beckmanns Kommentaren. Das beständige Beschwören der glorreichen Vergangenheit des deutschen Fußballs, die drei Sterne kurzgesagt die ganze scheinheilige Lüge an deren Anfang eine gedopte Mannschaft in Bern steht lähmt jeden frischen Geist.

Das Ende der Bonner Republik ist auch im Fußball noch nicht wirklich verstanden worden. Seit 1990 heißt es tapfer "Weiter so". So ging im "Zeitalter der Globalisierung" die Wettbewerbsfähigkeit verloren. Eine falsche Einwanderungspolitik der letzten Jahre (Sean Dundee, wo bist du?), der Bürokratismus der Fußballinstitutionen, all dies kulminierte nun in diesen dunklen 8 Jahren seit 1996, in denen der hiesige Fußball nur noch peinlich war (inkl. Korea/Japan).

Es braucht jetzt eine radikale Liberalisierung der Strukturen und echten Wettbewerb. Es kann daher nur eine Forderung geben: Löst den DFB auf! Sofort!

Rudi Völler ist in der Vergangenheit angekommen

Nach Informationen der BILD-Zeitung ist Rudi Völler nach dem Ausscheiden der Deutschen Mannschaft bei der EM in Portugal von seinem Amt zurückgetreten. Noch gestern Abend hatte Völler angekündigt seinen bis 2006 laufenden Vertrag erfüllen zu wollen. Auf der Pressekonferenz des DFB um 1030 Uhr sollen weitere Einzelheiten bekannt gegeben werden.

Ich habe mich noch nie für Tennis interessiert...

Nun ist es soweit, der Stuhl von Rudi Völler wackelt, die Mannschaft stellt sich hinter ihren Trainer (laut dpa): Wer solche Freunde hat, braucht keine Gegner mehr. Die Deppen Europas (BILD) haben sich völlig zu recht aus der bisher hochklassigen EM verabschiedet und so dafür gesorgt, dass der Qualitätsfußball auf großen Turnieren doch noch eine Chance bekommt. Zwei Tore, kein Sieg: Die Bilanz der DFB-Auswahl bei der EM ist deutlicher als jeder Kommentar. Von B nach Zett, die Tschechen haben ein längst gefälltes Urteil lediglich vollstreckt.

Die sind bisher mit einem Punkt Vorsprung gegenüber Portugal auch die erfolgreichste Mannschaft des Turniers. Nicht unwahrscheinlich, dass die deutsche Mannschaft gegen den künftigen Europameister ausgeschieden ist. Der tschechische Botschafter in Berlin fand dann auch die richtigen Worte des Trostes:
"Der deutschen Mannschaft merkt man an, dass Fußballspielen für sie eine Qual ist. Ihr fehlt Leichtigkeit und Spaß, die zum Fußball gehören."

Da bleibt wohl nur, uns Sportarten zuzuwenden, in denen die Deutschen noch erfolgreich, leicht und spassig sind. Wie wäre es mit Tennis...

Mittwoch, Juni 23, 2004

Punktsieg für EU-Nettozahler: Dänemark und Schweden weiter

2:2, das schönste Ergbnis, daß man sich in Nord-Europa wünschen durfte. Italien, Schweden und Dänemark punktgleich, aber dank nicht so ganz vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen erklärbarer UEFA Regeln fliegt Italien unabhängig vom Torverhältnis raus. Leider war das Spiel zwischen Schweden und Dänemark nicht geschoben, sondern offen und fair.

Schade, wo doch Italien sonst eine gerechtes Opfer seines eigenen Beitrags zur europäischen Fußballkultur geworden wäre: der offenen Korruption. Erst vor einem Monat hat die Staatsanwaltschaft 12 Vereine wegen Schiebereien untersucht. Aber es kam gar nicht so weit, Italien wurde Opfer seines sportlichen Unvermögens. Auswechselfehler, Spuckatacken. Die schlechtaussehenste italienische Mannschaft seit 1982 fährt nach Hause. Der Rückflug nach Rom war schon am Montag gebucht worden.

Dänemark und Schweden sind weiter und bereichern die Euro 2004 weiterhin um eine nördliche Dimension - vielleicht heute Abend verstärkt durch Lettland. Mal sehen, Deutschland hat es ja heute Abend "selbst in der Hand" (hoffentlich im Fuß). Vielleicht gibt es aber auch in Prag die ganz große Party.



Dienstag, Juni 22, 2004

Latvia, oder die Band auf der Titanic spielte auch bis zum Schluß

Ich habe Deutschland Lettland unter verschärften Bedingungen gesehen: in einer kleinen "urig" gestalteten Kneipe in Lüchow im Wendland. Hinter der Theke stand der amtierende Guinessbuch Rekordhalter im "Ausblasen von Kerzen während man in einem Rhönrad turnt". Respekt. Das sagt noch einer die Deutschen seien sportlich am Ende. Man muß nur lange genug suchen.

Aber egal: Alle örtlichen Tipp Gemeinschaften hatten irgendetwas zwischen 3:0 und 5:1 für Deutschland getippt. Dies war wohl ein späte Nachwirkung des Saudi-Arabien Triumphs ("Auch gegen eine solche Mannschaft muß man ersteinmal 8 Tore schiessen."). Unsere gemeinsame Erkenntnis nach 90 Minuten: Lettland entgingen unverdient 3 Punkte, da sie vom Schiedsrichter um mindestens einen Elfmeter betrogen wurden und Völler wird nie begreifen, daß Brdaric(viel Spaß Wolfsburg!) und Klose (ebenso, Bremen!) keine Stürmer sind, die in der Lage sind, einen solide verteidigten Strafraum zu knacken. Der einzige Stürmer der das könnte, Podolski, darf nicht spielen. Noch nicht, wahrscheinlich reicht es zu einem Kurzeinsatz gegen Tschechien, gegen einen Gegner zu dem er nicht paßt.

Als Klose, die "Lieblings Schwiegertochter der Nation", eingewechselt wurde, war es jedenfalls mit der Hoffnung vorbei. Selbstverständlich wurde die letzte Groß Chance von ihm vergeigt. Der anschließende Blick qualifiziert ihn als Frodo Ersatzmann falls Elijah Woods keine Lust auf eine Porno Version von der Herr der Ringe hat.

Seitdem haben wir viele gute Spiele gesehen. Portugal, Griechenland, Frankreich und England haben sich zu recht qualifiziert. Die beiden letzten Gruppen hingegen bereiten Anlaß zur Sorge: Spuckattacken, Betrugsvorwürfe und der komische Streit Holland gegen Trainer.

Damit die EM gut bleibt hoffe ich daher, daß,

- Dänemark und Schweden 2:2 spielen
- Deutschland gegen Tschechien 3:0 verliert
- Lettland Holland durch ein 1:0 in der Nachspielzeit besiegt


Und dann einen Whiskey im Rauchsalon, auf 2006...

Sprachlosigkeit allerorten

Überall und auch hier breitet sich die Sprachlosigkeit angesichts der bisherigen Ergebnisse dieser Europameisterschaft aus. Es war ein leichtes im Vorfeld über die deutsche Mannschaft zu lästern, sie zu verurteilen und ihr frühes Scheitern vorherzusagen. Diese Einschätzungen - oftmals von der heimlichen Hoffnung auf Selbsttäuschung getragen - bestätigen sich wohl auf allerschönste Weise. Als Laie weiss ich gar nicht, wem ich die Daumen halten sollte, weiter die Geschicke dieses Turniers zu bestimmen: Den Engländern, die mit Roneyaldo endlich mal einen häßlichen Superstar feiern dürfen; den fabelhaften Portugiesen, die die selbstverliebten Spanier über die Grenze zurückgetrieben haben; den fabulösen Tschechen, die einmal mehr gezeigt haben, welches Kraut gegen die Holländer gewachsen ist oder gar den Franzosen, die eigentlich nur mit Henry und Zidane auf den Platz müssten? Überall wird spannender, schneller und attraktiver Fußball gespielt. Nur die Deutschen spielen gegen Lettland Null zu Null. Wenn die Tschechen nun das Adler-Team nach Hause schicken, ist das nicht nur gerecht oder richtig oder gut. Nein, es ist auch bitter notwendig. Die deutsche Mannschaft ist zu oft zu billig davon gekommen, hatte zu oft Glück, ist zu oft unverdient weitergekommen. Die Tschechen werden dass nun korrigieren.

Samstag, Juni 19, 2004

Remake

Da schon so viel über die Bildregie ("Weltregie", huh!) geredet wurde, wird es langsam Zeit, ein paar Worte über den Regisseur zu verlieren. Besonders einfallsreich scheint er ja nicht zu sein. Wobei das auch am Drehbuch liegen mag. Der Showdown ist zwar noch nicht gelaufen, aber bisher mutet diese Balltretveranstaltung wie ein Remake ihrer Vorgängerin von 2000 an. Torsten Frings in der Rolle von Mehmet Scholl. Rudi Völler als Erich Ribbeck. Ottmar Hitzfeld als Rudi Völler? - Weitere Besetzungsvorschläge werden gerne entgegengenommen; vielleicht lässt sich daraus gar eine Castingshow basteln.

Nichtsdestotrotz guter, nein, bester Genrefussball am heutigen Samstagabend. Es sind immer wieder die gleichen Tricks, auf die wir immer wieder reinfallen. Mit schöner Regelmäßigkeit strauchelt der "Favorit", und der Außenseiter wird vom Staatspräsidenten beglückwünscht. Die gesamte Tipprundennation liegt mal wieder daneben, abgesehen von diesen "Deutschland-Lettland 0-0" Anarcho-Exoten, die man doch so gerne nicht ernst nehmen würde. Wo sind all die Favoriten hin?

Schweden tanzt Charleston

Was haben Zlatan Ibrahimovic und Josephine Baker gemeinsam?
Josephine Baker hat, wie wir hier erfahren können, den Charleston nach Deutschland gebracht. Das sah dann (leider ohne Josephine) etwa so aus:

charleston-alt

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber jetzt ist der Modetanz der 20er Jahre auch nach Schweden gekommen:

charleston-neu

Es war das mit Abstand bisher spektakulärste Tor dieses Wettbewerbs. Der Trendsetter beugte sein Knie auf unbetontem Taktteil und stürzte Italien damit in höchste Nöte. Ibrahimovic erweitert damit das Tanzlexikon um einen weiteren Schritt, nämlich den "gesprungenen Bakerstep". Die Dänen, bisher mehr im Stile eines Gothic-Vamps zu "Deine Lakaien" unterwegs, sind damit gewarnt. Und, wer weiss, möglicher weise haben wir ja auch den Viertelfinalgegner der deutschen Nationalmannschaft gesehen? (Ungeachtet der Tabellensituation in Gruppe D und der noch längst nicht absolvierten Spiele wurde dies immer wieder von Wolfi Poschmann betont.) Dann wird wohl mehr als der gediegene Walzer gegen Holland notwendig sein.

Das heutige Spiel hat gezeigt: In ihrer jetzigen Form ist die schwedische Nummernrevue lediglich von lateinamerikanischen Standardtänzern zu schlagen. Und die sind nun mal mangels Erdteilzugehörigkeit ausgeschlossen.

Donnerstag, Juni 17, 2004

Totti doch nur ein Idiot

Das dänische Fernsehen DR veröffentlichte heute Photos, die beweisen, daß der italienische Star Francesco Totti seinen dänischen Gegenspieler Christian Poulsen während des 0:0 angespuckt hat:



Totti ist daraufhin von der UEFA für 3 Spiele gesperrt worden. Da Italien in der Vorrunde scheitert, ist das Turnier somit für ihn gelaufen. Warum das medienwirksame Sexsymbol Totti auf so einer völlig bescheuerte Idee gekommen ist, bleibt weiter offen. Vielleicht erklärt es uns Trapatonis Nachfolger.

Hoppla. Chris Patten soll EU-Kommissionspräsident werden.


Nach Angaben von dpa haben die Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei den derzeitigen EU-Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Chris Patten, als neuen Kommissionspräsidenten nominiert.


Patten, der als Befürworter einer vertieften Integration Europas bekannt ist, wäre im Falle einer Wahl der Überraschungssieger der Auseinandersetzung um die Prodi-Nachfolge. Anscheinend scheint der designierte Nachfolger Prodis, der luxemburgische Ministerpräsident Juncker, endgültig abgewunken zu haben.


Ich war von Anfang an ein großer Befürworter Pattens. Als von Labour nominierter Konservativer mir pro-europäischen Profil könnte er in der Lage sein, der angelsächsischen Welt eine Brücke nach Europa zu bauen. Zweitens kamen die bisherigen Kommissionspräsidenten ohne EU Erfahrung nach Brüssel. Jemand, der bereits in der Kommission gearbeitet hat, hätte diesen Nachteil nicht.


Die Europäische Union braucht dringend eine Figur in ihrem Zentrum, die in der Lage ist politische Führung auszuüben und mit den Europäerinnen und Europäern direkt zu kommunizieren. Patten verfügt nicht nur über eine entsprechendes politisches Talent, er spricht darüber hinaus die Sprache, die von den meisten Europäern verstanden wird.


Ein Problem gibt es jedoch: Als Patten war der letzte britische Gouverneur von Hong Kong. Dort begleitete er den endgültigen Abzug Englands. Dies könnte eine interessante Parallele für seine Amtszeit werden.  

Mittwoch, Juni 16, 2004

Eisbären in Hannover ausgestorben

Den späten Ausgleich durch Ruud Van Nistelrooy hat "Irma" nicht mehr erlebt. Im Alter von 34 Jahren starb der letzte bekannte Eisbär Hannovers. [link]

In der Nähe von Moskau geboren, war Irma 1971 nach Niedersachsen eingewandert. Die große Fußball Anhängerin erlebte hier zahlreiche Höhen und Tiefen ihres Lieblingssports, aber auch allerhand politische Turbulenzen. Bis heute gilt es als ihre größte Leistung, daß sie nicht der Jagdleidenschaft des Ministerpräsidenten Ernst Albrecht zum Opfer gefallen ist. Die Mufflon Population war das weniger glücklich.

Unerwartet kam ihr Ableben nicht. Hatte die Weltmeisterschaft 1990 Irma emotional über den Abstieg Hannover 96s in die Regionalliga gerettet so hatten sich schon beim 1:5 gegen England 2001 erste Alterserscheinungen sichtbar gemacht. Anders als noch bei der EM 2000, hatte Irma diesmal ihre "berümten Kopfsprünge von den Felsen in das Wasser"(NP) für mehrere Tage eingestellt.

Die Aufregung gestern war dann wohl zuviel. Das Ende war versöhnlich: Sie starb im vollen Bewußtsein der unverdienten deutschen Führung. Wir andern bleiben zurück.

Deutschland hat nicht gewonnen

Jubel, Trubel und Heiterkeit verbreiten die Zeitungen an diesem Mittwochmorgen. Für jemanden, der das "historische" Spiel nicht gesehen hat, bleibt indes nur eine Erkenntnis: Die DFB-Auswahl ist der Sieger der Herzen, kam aber über ein Unentschieden nicht hinaus. Dabei mag es stimmen, dass die Holländer einer spielerisch überlegenen deutschen Mannschaft nicht viel entgegenzusetzen hatten. So sind wenigstens beide Seiten glücklich. Die Anti-Deutschen können sich "klammheimlich" freuen und trotzdem ein politisch-korrektes Ergebnis feiern. Die Pro-Deutschen dürfen eine tolle Leistung bejubeln und werden nur durch das Pech des Ausgleichstreffers in ihre natio-analen Euphorie gebremst. Kurz: Alle können zufrieden sein, denn keiner hatte recht. Ein 1 zu 1 hatte eben keiner - auch hier nicht - auf der Rechnung. Und so ist die Frage nach Leben oder Tod mit einem erleichterten "sowohl als auch" fürs erste beantwortet.

Dienstag, Juni 15, 2004

Das Duell der Königinnen

Noch lachen sie... 
Noch 6 Stunden. Hier scheint ja allgemein die Überzeugung zu herrschen, die Bundesrepublik habe gegen die spielerisch überlegenen Holländer nur eine Außenseiterchance. Bild vergräbt antike Währungen illegal im Stadion, alles spekuliert über die Aufstellung, als ginge es darum wer Kanzlerkandidat der Union würde.


Wie so viele andere Debatten auch, würde der Diskussion mehr Ehrlichkeit guttun. Udo Lattek hat es gerade im DSF auf den Punkt gebracht "Ohne Olli Kahn wäre Deutschland bei der WM nicht ins Finale gekommen." Ja, wären sie es bloß nicht! Der unverdiente Vize-Weltmeister Titel (der keiner ist) hat den Neu-Aufbau der deutschen Nationalmannschaft um Jahre hinausgezögert. Ich habe das Farör Spiel live gesehen und muß mir nichts mehr zu diesem Thema sagen lassen.


Kahn ist das Problem. Der Kult um den überschätzten Torhüter, der eben immer in entscheidenden Spielen den "einen Fehler" macht, erdrückt das Team. Zusammen mit jenem Mythos von "internationaler Erfahrung" und dem angeblichen "zu großem Respekt" vor dem Gegner. Englands bester Spieler war Rooney, und er ist erst 18. Aber nein, in Deutschland muß man sich erst hochdienen. So verliert man Kriege, den Wettbewerb in der Globalisierung und eben Fussball.


Timo Hildebrand muß ins Tor und Podolski in den Sturm, Christian Ziege nach Hause. So wie es jetzt ist, bleiben wir bis 2006 auf Kahn sitzen: eine trostlose Perpektive, egal, wie weit Deutschland bei dieser EM kommt.


Aber vielleicht wird ja Horst Köhler lieber doch DFB-Präsident und räumt den Laden auf. Wer war eigentlich nocheinmal Johannes Rau?

Demografischer Wandel zeigt Wirkung - Kahn wird 35

Heute vollendet Oliver Kahn sein 35. Lebensjahr. Damit endet ganz offiziell seine Jugendlichkeit am Tag des entscheidenden Spiels gegen den orangenen Angstgegner. Und nicht nur das. Die Bild-Starreporter Hans-Jürgen Schäfer und Werner Ruiner (Der Name ist wohl Programm) haben nachgemessen und: Kahns Tor ist ganze drei Zentimeter zu breit und sogar einen Zentimeter zu hoch. Wie das der alternde Titan schaffen soll bleibt ein Rätsel. Zumal die Nachricht, dass eine defensive DFB-Auswahl sich heute einmal mehr auf die Stärken ihrer Abwehrspieler verlassen wird, auch keine Hoffnung auf Besserung birgt. Toll.

Um all diesen bösen Vorzeichen etwas entgegenzusetzen, hat die Bild-Zeitung den berühmten Glückspfennig unter einem Elfmeterpunkt des Estadio do Dargao in Porto verbuddelt (Vom Fernseher aus rechts) . Diese ewige Negation des Eurocents hat die deutsche Nationalmannschaft vor zwei Jahren ins WM-Finale und Brasilien den Titel gebracht. Also ahnen wir am Himmelsrand doch ein erwartungsfrohes Glimmen. Angesichts der konjunkturellen Lage, der hohen Arbeitslosigkeit und des steigenden Ölpreises gute Zeichen für eine baldige Erholung. In Münster sind in der vergangenen Woche die Bezinpreise immerhin um satte neun Cent pro Liter gesunken.

Falls also wider erwarten die Niederländer, deren einzige Anhänger bekanntlich ihre Wohnwagen sind, gegen Deutschland gewinnen sollten und somit jede Hoffnung auf eine baldige Konjunkturerholung und mehr Wohlstand zerstauben, wissen wir, woran es einmal nicht gelegen hat: An der SPD.

Der Lächerlichkeit preisgegeben

1:6-Debakel der DFB-Elf im ersten EM-Gruppenspiel gegen die Niederlande

Der Klassiker gegen die Niederlande endete für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit einem Debakel. 1 : 6 verlor die Völler-Truppe das wichtige erste Gruppenspiel gegen die Niederlande, die damit im Kampf um Platz 1 in der Gruppe alle Trümpfe in der Hand haben.

15.06.04, Porto - Im ersten Gruppenspiel der Europameisterschaft hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gründlich blamiert: Gegen die Niederlande unterlag die DFB-Elf mit 1 : 6.

Die Niederlande zeigten sich technisch versierter, beweglicher und ballsicherer und ließen die deutsche Abwehrkette um Nowotny und Wörns immer wieder schlecht aussehen. Die DFB-Elf blieb die gesamte erste Hälfte ohne Chance, während der Oranje-Sturm die gravierenden Abstimmungsprobleme in der deutschen Hintermannschaft gnadenlos ausnutzte und die Niederlande in eine verdiente 3 : 0 Halbzeitführung schoss.

Wer gedacht hatte, dass das Team von Rudi Völler in der zweiten Halbzeit ein völlig anderes Gesicht zeigen würde, wurde enttäuscht: Auch in der zweiten Hälfte wirkte die deutsche Mannschaft weiter äußerst unsortiert gegen äußerst effektive Niederländer, die kurz nach dem Wiederanpfiff auf 4 : 0 erhöhten. Brdaric konnte in der 78. Minute nach Vorarbeit von Lahm wenigstens noch den Ehrentreffer erzielen, doch mit einem Doppelschlag in der 85. und 86. Minute machte das Oranje-Team den Kantersieg gegen eine völlig indiskutable deutsche Elf perfekt.

Michael Ballack sagte nach dem Spiel, die Mannschaft habe sich "abschlachten" lassen. Teamchef Rudi Völler sprach von einer "absoluten Blamage", für die es "überhaupt keine Entschuldigung" gebe. Torhüter Oliver Kahn sagte unter Tränen: "Es hat keinen Sinn mehr. Ich beende meine Karriere." Im Anschluss an das Spiel verbrannten zahllose deutsche Fans ihre Fahnen auf den Rängen.

ACHTUNG! Dieser Beitrag ist von FELIX. Aus technischen Günden habe ich Ihn gepostet.

Montag, Juni 14, 2004

England jetzt Bayern

Frankreichs späte Tore gegen England fügten mir eine weitere schwere Tipp Niederlage zu. Ansonsten war es eines der Spiele, die man im Leben gesehen haben sollte. Beide Mannschaften spielten einen wunderbaren und fairen Fußball. Frankreichs Sieg war verdient, da die Franzosen die insgesamt dominierende Mannschaft waren. Mal sehen, ob sich England von dieser Erfahrung erholt. Beckham hat die Schuld aus sich genommen. Eine späte Genugtuung für Bayern Fans, die ihrerseits Erfahrung mit Toren in der Nachspielzeit haben. Es muß an Markus Merk liegen, unter dessen Leitung die Nachspielzeit häufig die interessanteste Phase ist (Schalke bleibt der Meister der Herzen 2001, So! ;).

Ansonsten gewinnt das ZDF den direkten Vergleich mit der ARD: Kommentierung war kompetenter und auch weniger banal.

SPD nimmt Völler die Angst vor dem Verlieren

Das Ende hat bereits vielfach angefangen. Am Sonntag nun ein weiteres Mal. Die SPD-Auswahl hat eine Niederlage eingefahren, da müsste der DFB-Kader schon rückwirkend an der Qualifikation scheitern, um mithalten zu können. So hat zumindest die Selbstauflösung der deutschen Sozialdemokratie etwas Gutes für den nationalen Fußball gebracht: Es kann nícht mehr schlechter werden. Sollte die Völler-Elf doch schon in der Vorrunde scheitern, darf sie mit Recht auf die ehemalige Volkspartei weisen. Die hat schließlich vorgemacht, was „verlieren“ wirklich bedeuten kann.

Alleine in Niedersachsen hat die SPD 11,7 Prozent eingebüßt. Dabei gehören die hiesigen Genossen mit 27,8 Prozent noch zur Spitzengruppe der Liga. So stammen immerhin zwei der zehn niedersächsischen Euro-Abgeordneten aus der SPD. Einer weniger als das letzte Mal, denn Bernd Lange ist nicht mehr – zumindest Abgeordneter. Einen Platz zu weit hinten; gleichsam der 25. Käufer von 24 Würstchen und nun selber ein armes solches. Er hat den kürzeren gezogen, bekam nicht mal einen Zipfel, denn knapp daneben ist eben doch vorbei. Ob nun die verbliebene Erika Mann oder der Neu-Straßburger Garrelt Duin ein schöner Ersatz für die geschwächte Mannschaft sind, darf laut bezweifelt werden. Aber immerhin ist das SPD-Team noch knapp größer als die DFB-Auswahl. Andererseits darf es durchaus als beunruhigend gelten, wenn man mit den 24 SPD-Europa-Abgeordneten kaum einen Turnierkader aufstellen könnte.

Wobei für die Kreisklasse, in der die SPD nun antreten muss, die Qualität durchaus ausreichend ist. Das gilt im übrigen auch für Trainer und Management. So nimmt es auch nicht wunder, dass an personelle Konsequenzen nicht gedacht wird. Warum sollte in der Drittklassigkeit nicht auch drittklassiges Personal den Verein führen? Und darin haben die spätestens seit Gerhard Glogowskis erstaunlicher und erwarteter Talfahrt ja reichlich Erfahrung.

So wird der Niedergang des 141jährigen Traditionsclubs wohl ungebremst weitergehen, auch wenn der sportliche Direktor Gerhard Schröder heute sein politisches Schicksal mit dem Erfolg der Agenda 2010 verknüpft hat – oder weil. Aber vielleicht gibt es ja nach der Aufsichtsratsitzung heute noch eine Überraschung für die Fans.

Die Deutschen sind fertig mit Gerhard Schröder

Die Ergebnisse der SPD bei der Europawahl und der Landtagswahl in Thüringen sprechen eine deutliche Sprache. Jenseits aller "Vermittlungsschwierigkeiten" hat die Bundesregierung in den Augen der Bundesbürger jedwede Problemlösungskompetenz und alles Vertrauen verspielt. Der selbst im Verhältnis zur sinkenden Wahlbeteiligung überproportionale Verlust an realen Stimmen zeigt ein Ausmaß an Ablehnung, das noch keine politische Partei in Deutschland erfahren hat.

Ein ähnlich schlechtes Ergebnis hatte die SPD das letzte Mal bei den Reichstagswahlen 1932. Einzelne kommunalpolitische Erfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die SPD keine Wähler mehr mobilisieren kann. Vergesst das Gerede über die nicht ausreichende Mobilisierung der Stammwähler: 21,4% sind die Stammwähler. Mehr ist da nicht.

Es mag irrational sein, doch ich freue mich. Seit 11 Jahren bin ich SPD Mitglied. In dieser Zeit habe ich erlebt, wie die rechte Mehrheit der Funktionäre auf allen Ebenen progressive Politikansätze plattgemacht hat. Die entsozialdemokratisierung der SPD findet ihren Höhepunkt in den "notwendigen Reformen" des letzten Jahres, die handwerklich und inhaltlich so in die Hose gegangen sind, daß der Europawahlkampf auf die Irak Politik abgestellt werden mußte.

Es ist die personelle Mittelmäßigkeit der SPD, welche die tiefere Ursache des Desasters kennzeichnet. Intelektuellenfeindlich und pseudo-pragmatisch ist die Lehrer- und Gewerkschaftssekretärspartei in die von den Konservativen aufgestellte Falle des "Pragmatismus" getappt. Gestaltungs- und Visionsunfähig steht eine ganze Generation von Sozialdemokraten vor den Trümmern ihrer politischen Lebensleistung.

Einsicht ist nicht zu erwarten: Die Lügen vor dem Spiegel werden weitergehen, so deute ich zumindest die Kommentare des gestrigen Abends. Immer noch sind es "Vermittlungsprobleme" immer noch heißt es, man "tue das richtige, auch wenn es schmerzhaft sei" und zieht unangebrachte Parallelen zur Ostpolitik. Die Deutschen werden sie abräumen, Wahl für Wahl bis 2005 und kein Krieg und keine Flut wird sie noch retten.

Vielleicht zieht jemand nach den Kommunalwahlen in NRW die Notbremse, um die Landtagswahlen in NRW bereits aus der bundespolitischen Opposition betreiben zu können. Es bleiben Windräder und die Homo-Ehe. Und das Gefühl einer verpassten Gelegenheit. Ich werde diesen Kanzler trotzdem nicht vermissen.

Wider dem tierischen Ernst

Kann man lernen, Fußball zu mögen? Betrachtet man einige der bisherigen Posts, möchte man es fast bezweifeln - offensichtich benötigt man eine gehörige Portion Leidenschaft. Und die kann man bekanntlich nicht lernen. Allerdings kann man sich alternativ ein gewisses Maß an Spannung erkaufen. Und das geht eigentlich ganz einfach: Man sollte einfach eine Wette abschließen. Schon erscheint jedes Spiel spannend und der Ausgang ist im schlechtesten Fall eine persönliche Beleidigung. Gestern habe ich mich tatsächlich dabei ertappt, jeden vefügbaren Menschen in meiner Umgebung nach Fußballergenissen zu befragen. Und das, obwohl ich auf einer durchaus erquicklichen Party war. Noch erschreckender war, das ich mich tatasächlich persönlich beleidigt fühlte, als Griechenland gewann, obwohl ich doch auf Portugal getippt hatte - wie konnten sie mir das antun? Schließlich war Griechenland noch nie - zumindest mir nicht - durch irgendein fussballerisches Talent aufgefallen. Mussten sie das denn ausgerechnet jetzt finden und ausleben?
Allerdings kann auch ein viel einfacherer Mechanismus der Leidenschaft etwas auf die Sprünge helfen: Fußballer anhimmeln. Ich gebe zu, dass man dies eher außerhalb der Spiele auf Hochglanzfotos tun sollte, aber an diesen herrscht ja während der EM kein Mangel. Der Stern bietet wie immer eine mit dem altbekannten unterschwelligen Sexismus gewürztem Abstimmung über den schönsten Fußballer der EM an. Leider sind Fußballer - vielleicht mit Ausnahme von Pop-Ikone David Beckham - nicht zwingend fotogen. Aber für ein bisschen Muskel-Fetischismus reicht es noch.
Die dritte, und wahrscheinlich dem intellektuell-ironischem Ton dieses Blogs am ehesten entsprechende Art fehlender Leidenschaft auf die Sprünge zu helfen, ist die ethnologische Beobachtung meiner Freunde und Bekannten: Während Polen, Norwegen und die Türkei sich eher zurückhalten und peinlich berührt sind, ist Spanien völlig desinteressiert, bis sie es nicht mindestens in Halbfinale geschafft haben. Frankreich flaggt fleißig aus allen Fenstern, ist aber ansonsten doch eher an Rugby interessiert. Selig ist die Volksseele,die auch noch auf andere Sportarten für den nationalen Stolz bauen kann. Interessant ist, dass sich das Gerücht, dass Deutschland gleichbedeutend mit Fußballtalent ist, hartnäckig bei allen hält. Da kann man auch sagen was man will, zumindest für "eine Überraschung" sind sie immer noch gut - und in diesem Sinne hat mir die "Nationalelf" mit ihrem 1:1 dann auch keinen Gefallen getan. Da war sie, "die Überraschung", sie hatten es mir doch gleich gesagt. Allerdings hat mich das Unentschieden auch vor tagelangem Spott der anderen "großen" Fußballnationen wie Norwegen und Türkei bewahrt.
Was meiner erkauften Fußballleidenschaft allerdings immer noch abträglich ist, ist die Länge des Spieles: Wieso muss das alles 90 Minuten dauern? Kann man nicht das Feld verkleinern und es verkürzen? Dann muss ich bei so langweiligen Spielen wie Deutschland-Holland nicht mehr so lange warten, bis alles vorbei ist...keiner von euch kann sich vorstellen, wie langweilig es sein kann, 90 Minuten lang einem französischen Kommentar zu lauschen, den man nur halb versteht. Und der ausdauernd von Balacké, Sweinstéigér und Wringsé schwadroniert.

Sonntag, Juni 13, 2004

Zu diesen Tugenden

Die Griechen gaben uns die Ilias, Orpheus, das aristotelische Drama. Es hat ein wenig gedauert, aber jetzt konnten wir uns revanchieren: Otto Rehagel ist der verspätete Dank der Deutschen an ein Land, das nun erstmals mit dem T-Wort Bekanntschaft gemacht hat. Jedenfalls bekam diesen Eindruck, wer es versäumt hatte, rechtzeitig den Beckmann-Kommentar abzustellen. Südländisches Temperament, gezügelt von nordländischer (!) DISZIPLIN. Verzeiht, wenn ich nicht die GEWISSENHAFTIGKEIT habe, dies alles hier wörtlich zu zitieren. Man verliert nämlich leicht die KONTROLLE, wenn sich der Vordermann im Bei Chez Heinz fragt, ob "wir" denn auch einen halben Europameistertitel abkriegen, wenn Ottos Griechen STANDHAFT bleiben und Europameister werden. Das ganze sekundärtugendhafte Wortcluster entfleuchte Beckmanns Sprechapparat mit einer wahrhaft erschreckenden KONSEQUENZ. Versuche, sich gegen die Vorstellung vom Blutstau im B'schen Lendenappendix zu wehren, waren zwecklos. Die einzige Überraschung war, dass kein einziges Mal der Vater aller Fußballeuphemismen fiel. (Quizfrage: Welcher Ausdruck ist gemeint?)
Die "Wiege der Demokratie" erhält eine Lehrstunde in Partiotismus. Passenderweise von einem Mann, dessen Demokratieverständnis ebenfalls einem vergangenen Zeitalter entstammt. Bedeutung der Nationalmannschaft, kein Stadtmannschaften-Kleinklein, nach Hause gehn uns Fahne aus dem Fenster hängen. Wesen reimt sich immer noch auf Genesen.

"Portuland" ist abgebrannt

Keine Überraschung in Porto: Griechenland gewinnt das Eröffnungsspiel erwartungsgemäß gegen die emotional überforderten Portugiesen mit 2:1. Die "Goldene Generation" des portugiesischen Fußballs zeigte dabei all jene Verliererqualitäten, die sie bereits in den letzten internationalen Meisterschaften am Titelgewinn gehindert haben.

Egozentrik, Ungeduld und ein Mangel an Teamgeist waren das Fundament, auf dem es Trainer Scolari gelang, die Niederlage zu errichten. Bermerkenswerte Einzelakeure der Portugiesen stachen dabei hervor: Ferreira, den Chelsea gerade für 19 Mio. Euro erwerben möchte, war maßgeblich an der Vorbereitung des ersten Treffers beteiligt. Er, Figo, aber auch der begnadete Ronaldo, der für Portugal einen 11 Meter herausholte sind jeder für sich mehr wert als die gesamte griechische Mannschaft zusammen und als Mannschaft zusammen soviel wie Wacker Burghausen.

Alles in allem zeigte Portuland der Welt eine gelungene Vorstellung seines "melancholischen Fußballs". Der würdelose Treffer in der Nachspielzeit drohte kurzfristig den starken Auftritt der niederlagenbereiten Portugiesen zu bedrohen. Zum Glück gelang es ihnen den Ball dann für die verbleibende Minute sicher in der eigenen Hälfte zu halten und jede Chance auf den Ausgleich im Ansatz zu unterbinden. Am Ende erlöste Collinas "unpoetischer Abfiff" (Beckmann) die Spieler und in den folgenden Tränen fand die Portugiesische Fußballnation wieder zu ihrem eigentlichen Selbst.

Leise spielte die ARD etwas Fado. Beckmann sang mit. Ein ähnlich gelungener Start wie für Portugal, auch für die Öffentlich-rechtlichen.

Samstag, Juni 12, 2004

Es geht los

In knapp einer Stunde trifft Portugal auf Griechenland und eröffnet damit die Europameisterschaft. Ich habe eine Wette auf Portugal abgeschlossen trotz deren offenkundigen Nachteilen: Sowohl der Erfolgsdruck bei der EM im eigenen Land, als auch das Gefühl, daß dies die letzte Chance für eine ganze Generation von portugiesischen Fußballern ist, einen Titel zu holen. Gewinnen sie heute, sind sie Favoriten. Verlieren sie, kommen sich nicht über die Vorrunde hinaus. Die Griechen hingegen haben absolut nichts zu verlieren und können einen kleinen Gedanken an den Senegal verschwenden.

Wie dem auch sei, falls ihr noch nicht die Titanic-Forderungen gelesen habt, hier sind sie und ich unterschreibe sie sofort:

1. Rudi Völler ist ein netter Mensch und muß sofort gegen Ottmar Hitzfeld ausgetauscht werden!
2. Oliver Kahn gehört in psychologische Behandlung, Timo Hildebrand ins Tor!
3. Jens Jeremies, Miroslav Klose und Christian Wörns sind alt und langsam; sie müssen sofort nach Hause zurückgeschickt werden!
4. Schweinsteiger soll zum Friseur gehen, sich die peinlichen Strähnen entfernen und einen gepflegten Kurzhaarschnitt verpassen lassen!
5. Absolutes Interview-Verbot sowie Sprechunterricht und Schulung in kritischer Dialektik für Schweinsteiger und Podolski!
6. Gehaltskürzung für DFB-Präsident Mayer-Vorfelder!
7. Man muß Christian Ziege einen Trick beibringen!
8. Spielernamen wie „Lahm“ oder „Hinkel“ werden in vernünftige Namen geändert!
9. Oliver Kahn hat gesagt: „Nächste Woche gegen Holland wird sich eine völlig andere deutsche Mannschaft präsentieren.“ Der Mann hat recht! Man sollte darüber nachdenken, die ersten 22 Spieler durch irgendwelche anderen zu ersetzen; genau wie bei den erfolgreichen Ungarn!
10. Und vor allem: Wolfgang Niersbach soll sich nicht wieder so künstlich aufregen!.


Eins noch: Kuranyi und Podolski in den Sturm, schon gegen Holland und zwar von Anfang an. Sonst wird das nichts.

Dienstag, Juni 08, 2004

Schlimm! Deutscher Sturm trifft nur noch daneben!

 


Fußball Deutschland ist nach dem Auftritt der Nationalmannschaft immer noch im Schock. Die 11 von Rudi Völler spielte zwar im Rahmen der Erwartungen, aber nicht der Hoffnungen der Fans. Aber Oliver Kahn hat schon die Lösung parat: "Wir müssen uns klarmachen, daß wir als zweitbeste Mannschaft der Welt zu EM fahren". Dies erinnert fatal an Kahns Jubel in Hannover beim Spiel gegen die Faroer Inseln als Eltoj in zwar umspielt hatte, aber der Ball nur den Pfosten traf. Kahn riß die Faust in den Himmel. Von diesem gnädigen 2:1 hat sich die Nationalmannschaft nie mehr erholt.


Ansonsten warte ich gespannt auf Mittwoch, 16:00 Uhr. Die Titanic hat irgendetwas vor. Sonneborn und Freunde schenkten uns schon die WM 2006. Vielleicht sind sie die letzte Hoffnung.

Montag, Juni 07, 2004

The Bush Game

I got this link from MusicforAmerica.com It's hilarious and those of you, interested in flash games, adventures and punk music will love it: The Bush Game. Be a super hero and kill evil monsters and fight the president of the United States.


My Mr.T. didn't survive long, but i'll give it another try for sure. You got to click yourself through a long intro as the game starts - but it's worth it.

Stoiber wird auch nicht EU-Kommissionspräsident

Da wird sich Tschechien freuen: Spiegel Online und andere melden, Stoiber habe keine Absicht EU Kommissionspräsident zu werden. Markus Söder, der neue CSU General, teilte mit, daß Stoiber das Amt nicht antreten wolle, weil damit verbunden sei, den CSU Vorsitz aufgeben zu müssen. Dies habe Stoiber nicht gewollt. Was ist die Ursache dieser Meldung? Fieber? Hybris? 1.April? Es ist wohl mal wieder Gerhard Schröder. Laut der Süddeutschen Zeitung (print-edition) haben Schröder und Chirac Stoiber das Angebot gemacht, gemeinsamer deutsch-französischer Kandidat zu werden. Die Bundesregierung dementiert dies nicht, sondern erklärt kurz angebunden: "Es gab und gibt keinen deutschen Kandidaten." Genau. Ertappt. Hat sich noch jemand außer mir den Tag der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf Phoenix angeguckt, ohne sofort den Verstand zu verlieren? Diejenigen, die bis zur Stoiber Rede durchhielten, können meine Fassungslosigkeit nachvollziehen. Stoiber hielt eine Brand Rede, in der er die Ablehnung der Aufnahme der Tschechischen Republik in die EU durch die CSU feierte. Er selbst habe Tschechien nie in offizieller Funktion besucht (Jubel, Applaus, und ein leichter Biergeruch aus dem Fernseher). Ein toller Kandidat. Jetzt muß nur noch Erika Steinbach Polen-Beauftragte der Bundesregierung werden.


Fahrenheit 9/11

Der Trailer von Fahrenheit 9/11 ist raus. Schaut ihn Euch mal an, wenn ihr eine halbwegs fixe Internet Verbindung habt. Charming.

Sonntag, Juni 06, 2004

Rache für Bern: Ungarn fertigt Deutschland ab

50 Jahre später gewinnt endlich die Mannschaft, die den besseren Fussball spielt ein Duell Deutschland Ungarn. 2:0 besiegt die Mannschaft Lothar Mathäus die bundesdeutsche Nationalmannschaft in Kaiserslautern. Der FCK hätte Rudi sagen können, daß der "Betze" keine sichere Bank mehr ist, aber nein, wieder einmal unterliegt Völler's 11 einem Aufbaugegner.


Von BBC World

Nur gut das Deutschland eine Turniermannschaft ist. Mich ärgert nur, daß die Quoten bei Bentandwin.de 11:1 gegen Ungarn standen und ich eigentlich 20 Euro setzen wollte, da ich den ganzen Tag schon ein gutes Gefühl für Ungarn hatte. Dann war es mir aber zu kompliziert einen Account einzurichten: jetzt könnte ich 220 Euro reicher sein. Vorbei.


Jetzt habe ich einen Account: alles auf Lettland gesetzt.


Das Bild ist aus dieser BBCWorld story.

A very warm welcome....

According to the statistics, the majority of visitors on this website are English speaking. Therefore, I'd like to welcome everyone here, especially those from the dailykos.com community.

Normally, this is a blog about European politics, but for the month of June, it will change. As the continent heads for the European football championship(soccer, if you prefare this stupid term)so will this blog. The results of the games will probably have a greater impact on European Integration than the EU Election on June, 13th.

Already the "friendlies" before the start of the tournament are getting exciting. The Netherlands i.e. lost against Ireland in a big surprise.

But for me the most intersting game to watch will be "Germany v. Hungary" today! 50 years ago, Germany ended the Hungarian era of dominance in football with a surprise victory against the in the final of the world champioship 1954 in Berne, Switzerland. This was the defining moment of the young German Federal Republic and is an event more remembered by Germany than the foundation of the Republid itself. But I have to admit: Hungary was better. Today, it is pay back time! I'll hope, Hungary wins 3:2.

If you're interested in contributing to this blog through the tournament, please find my contact information here. Email me, introduce yourself and I'll send you an invitation. Otherwise, just comment.

Bälle statt Brüssel!

Für die Zeit der Europameisterschaft schaltet Kerneuropa.de um: It's fussball, stupid! So viele offene Fragen: Werden die Griechen, nun da sie sogar die Olympiade hinbekommen werden, auch Portugal schlagen (Senegal-Effekt)? Wird Holland nach den Niederlagen in der Vorbereitung sich noch einmal zusammenraufen? Wer wird die Überraschung der EM?

Mein Tipp für die Überraschung ist Lettland. Wer den Hexenkessel in Istanbul überlebt hat, der kann auch Tschechien schlagen und gegen Deutschland und Holland unentschieden spielen.

Meine einzige Angst ist wieder das deutsche Fernsehen: Die bundesdeutschen Kommentatoren haben den Glanz der Ära Ribbeck. Man muß dankbar sein, wenn sie nicht mehr als nur die Namen der auflaufenden Spieler sagen. Da ich aber nicht glaube, daß Deutschland das Finale auch nur von Nahe sehen wird, ersparen sie uns wenigstens den "Wie werde ich Hermann Zimmermann Wettbewerb".

2004: 50 Jahre Eurovision, 50 Jahre Wunder von Bern und heute schlägt Ungarn Deutschland 3:2! Und keiner bekommt Gelbsucht.