Sonntag, August 22, 2004

NEIN!!!!!!!!!!


Edvard Munchs Bild "Der Schrei" ist am heutigen Sonntag Morgen aus dem geöffneten Osloer Munch Museum gestohlen worden.

Die Dreistigkeit überraschte die Sicherheitskräfte und versetzte die Besucher in einen Schockzustand. Das wohl bekannteste Bild der Gegenwart ist zur Zeit spurlos verschwunden.

Samstag, August 21, 2004

Der aktuellste SPIEGEL Titel seit langem!


Montagsdemonstrationen? Irakkrieg? Ein neuer Vogelgrippevirus? War da was? Nein, natürlich nicht. Stattdessen ist es wieder einmal Zeit für einen Hitler Titel! Der Führer sells und wer behauptet, Hitler hätte in Deutschland nie legale Wahlen gewonnen, der sollte sich die Umsatzahlen des Spiegels anschauen. Da ist Montag "Führertag".

All diejenigen, die nach dem Tode von Rudolf Augstein mit einem Rückgang der Hitler Essays und Titel gerechnet hatten, lagen wieder falsch. Erst wenn Hitlers letzte Unterhose im Modeteil rezensiert worden ist werden die Hamburger Redakteure merken, daß der Spiegel nicht das Vierteljahresheft für Zeitgeschichte ist.

Dem Leser bleibt nur die bange Frage: Was kommt erst, wenn Hitler wirklich stirbt?

Donnerstag, August 19, 2004

Jungpolitiker mit Zukunft entdeckt das Internet


Nach jahrelanger technischer Abstinenz hat der hannoveraner Nachwuchs-Salonbolschewist Jan Korte das Internet für sich endeckt. Korte, der bisher durch viel zu langsame Betriebsysteme und eine Vorliebe traditionelle Kommunikationsformen auf sich aufmerksam gemacht hatte, ist nun über seine neue Website JanKorte.de erreichbar.

Der damit verbundenene modernistische Quantensprung wurde im Izarro in Hannover mit Verwunderung, aber auch mit Zustimmung zur Kenntnis genommen. Jans Virtualisierung ist, wie es scheint, bisher ein gelungener westdeutscher Beitrag zu den Montagsdemonstrationen in Leipzig und dem ländlichen Brandenburg.

Mittwoch, August 11, 2004

Wolfgang Mommsen ist tot

Nach einer Meldung des Spiegel ist der bedeutende Historiker Wolfgang Mommsen heute bei einem Badeurlaub auf Usedom ums Leben gekommen:

Der Zeitung zufolge starb Wolfgang Mommsen beim Baden in der Ostsee. Der Unfall habe sich im Seebad Bansin auf der Insel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern)ereignet. Der herbeigerufene Notarzt habe nur noch den Tod Mommsens feststellen
können. Als Todesursache gelte Herzinfarkt.Zwillingsbruder Hans Mommsen, ebenfalls ein bedeutender Historiker, hatte am Abend noch keine näheren Informationen. Eine Autopsie gebe es noch nicht.Wolfgang Mommsen gehörte zu den renommiertesten deutschen Geschichtswissenschaftlern. Zu seinen Spezialgebieten gehörte die Weimarer Republik und das Dritte Reich. Er war auch Leiter der Arbeitsstelle der Max-Weber-Gesamtausgabe. Darüber hinaus war er von 1977 bis 1985 Direktor des Deutschen Historischen Instituts in London sowie Gastprofessor an zahlreichen renommierten Hochschulen im In- und Ausland.



Er war einer der guten. Der Disziplin wird er fehlen. Unser Beileid gilt allen Freunden und Angehörigen.

Dienstag, August 10, 2004

Harz 4 (Rechtschreibreformiert)

Wenn in Deutschland Christen zu Demonstrationen aufrufen wird mir automatisch schlecht. Dann wird das Kreuz ausgepackt, Mutti malt ein schlecht gereimtes Plakat und dann marschiert die formierte Betroffenheit brav entlang der angemeldeten Wege. Die westdeutsche urbane Mittelschicht - auf niemand anderen kommt es halt in diesem Land an - wiege dann bewegt den Kopf über der abonnierten bundesweiten Tageszeitung und nimmt noch ein Schluck Café Latte...und denkt an Sylt.

Dies ist das Land, in dem die protestierenden Arbeitslosen 1998 stolz darauf waren, daß sie die Arbeitsämter mit Plakaten zugeklebt hatten, die man Dank eines neuen Klebers streifenfrei entfernen konnte. Proteste im Meister Proper Land - dann lieber ein Gläschen Essigreiniger.

Die politische Publizistik - schlecht ausgebildet wie in keinem anderen Land - taumelt zur Zeit von einer redaktionellen Katastrophe zur anderen. Gerade noch hat sie sich zu einer alternative Öffentlichkeit aufgeschwungen, als Sachverwalter des "Reformdrucks". Andererseits gibt es aller Orten die feuchten Träume von der Bürgergesellschaft. Jetzt bauen Zeitleser Barrikaden. Ein Traum für's Feuilleton. So wird es denn wohl auch mit den jetzigen Protesten enden: Sie werden als kuschelige Gemeinschaftserfahrung verbucht, ein Kirchentag für Arme. Als Abendmahl gibt's Dosenbier.

Ich frage mich immer, ob man sich etwas von Journalisten über Wirtschaftspolitik sagen lassen muß, die allesamt für bankrotte Verlage arbeiten. Alle Großzeitungen haben entlassen und standen am Rande des Konkurses. Die SZ verkauft ihren Stammsitz, die FAZ entließ. Die gleichen Akteure, die mit dem neuen Markt schon so völlig daneben lagen, versuchen jetzt ihr publizistisches Glück am deutschen Sozialstaat. Unter dem Trommelfeuer der Sachzwangsapologeten ist der politische Diskurs auf einen Minimalmainstream zusammengeschrumpft.

Erinnert sich noch jemand, daß die deutsche Börse mit der britischen Fusionieren wollte und nur der neue Markt in Frankfurt bleiben sollte? Alle feierten es, jetzt gibt es den neuen Markt nicht mehr. Aber egal, es wird schon richtig sein, wenn es mehr als 500 Wörter hat.

Es bleibt uns nur die Hoffnung, daß Florida Rolf auf seinem juristischen Rachefeldzug gegen die Gesellschaft, die so gern seinen Tod gesehen hätte, weiterhin jeden Prozeß gewinnt. Wo waren eigentlich die Montagsdemonstranten, als den Hilfebedürftigen in den Knästen in Übersee die Hilfe gestrichen werden sollte?

Nein, ich möchte, daß der Datschenpreis fällt und daß alle Kirchen zu "MyGeizig"'s werden. Wenn dann noch Bischof Krenn Papst wird, sieht die Welt endlich so aus, wie sie ist.

Montag, August 02, 2004

Verfassungsänderung a la Schily

So hatte sich Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel die Diskussion, die er anstoßen wollte, wohl nicht vorgestellt. Mit den neuen Vorschlägen von Innenminister Otto Schily gehen dem Asylrecht in Deutschland langsam die Lichter aus. In seinem jüngsten Interview mit der SZ verschanzt sich Schily zwar hinter dem Euphemismus "Aufnahmeeinrichtungen", womit EU-finanzierte Flüchtlingslager in Nordafrika gemeint sind. Ansonsten lassen seine Ausführungen aber kaum an Klarheit zu wünschen übrig:

"SZ: Aber unser Recht hat diese Fakten geschaffen. Flüchtlinge, die Asyl haben wollen und es auch wirklich bräuchten, haben überhaupt keine Möglichkeit mehr, es zu beantragen – weil wir den Weg nach Deutschland faktisch und juristisch verbauen. Das Recht schneidet also auch den schutzbedürftigen Flüchtlingen den Weg ab, auf dass sie nicht Asyl beantragen können.
Schily: Sie sehen das offenbar als kritikwürdigen Zustand. Dann müssten Sie in der Konsequenz auch fordern, jeder, der einen Asylhintergrund hat, müsse die Möglichkeit erhalten, visumfrei nach Deutschland oder in anderes EU-Land zu kommen, um dort Asyl zu beantragen. Es kämen dann vermutlich Millionen Menschen, die allesamt behaupten, sie seien asylberechtigt.
(...)
SZ: Wo bleibt bei einer nach Afrika vorgelagerten Flüchtlingsbehörde das deutsche Grundrecht?
Schily: Das spielt gar keine Rolle.
SZ: Wenn es der Flüchtling aber geltend machen möchte?
Schily: Der Flüchtling ist nicht in Deutschland. Er ist außerhalb der Grenzen Europas. Das hat mit Artikel 16a Grundgesetz gar nichts zu tun."

Es geht um nichts anderes als die Exterritorialisierung eines Grundrechts. Unter dem Vorwand humanistischer Besorgnis (den Flüchtlingen soll es unmöglich gemacht werden, sich mit der Mittelmeerüberquerung selbst zu gefährden) wird den Asylsuchenden die Möglichkeit eines ordentlichen Verfahrens nach deutschem Recht von vorneherein genommen. Nach der skandalösen Einschränkung des Asylrechts von 1992 ist dies der nächste Schritt zur de facto-Abschaffung von Art. 16a GG. Da es bei Fragen wie dieser in Deutschland keine wirksame politische Opposition mehr zu geben scheint, bleibt nur die Hoffnung auf das Desinteresse der nordafrikanischen Staaten .
Italien hat übrigens bereits ein Auffanglager für Otto Schily bereitgestellt. In der Toskana, für ihn ganz allein. Vielleicht möchte ja auch Brigitte Zypries mitkommen. Dann gäbe es wenigstens jemanden, der Schilys Vorschlägen lauscht.

toskana
Auffanglager für Otto Schily in der Toskana. Die Dame rechts ist der Verleger Klaus Wagenbach. (Quelle: Toskanafraktion )